Interview zur „Abi-Ausbildung“ an der Heinrich-Lanz Schule I in Mannheim

Interview zur „Abi-Ausbildung“ an der Heinrich-Lanz Schule I Mannheim

Manfred Brenner Geschäftsführer der Brenner GmbH.

HLS I: Warum stellen Sie in Ihrem Unternehmen Kfz-Azubis mit Abitur ein?
Brenner: In unserem Unternehmen liegt der Fokus der innerbetrieblichen Ausbildung auf der gezielten Vermittlung von Kfz-spezifischen Fertigkeiten und Kenntnissen. Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife lernen leichter in der Berufspraxis und gehen bei der Fehleranalyse sowie im Umgang mit elektronischen Testsystemen strukturiert vor. Die Abi-Azubis sind etwas älter und verfügen über einen hohen Grad an Abstraktionsvermögen.
HLS I: Wie sehen Sie als Unternehmer die Zukunftsperspektiven Ihrer Azubis im Betrieb?
Brenner: Die mehrjährigen Erfahrungen mit unseren Abi-Azubis sind durchweg positiv. Nach dem Durchlaufen der einzelnen Ausbildungsabteilungen können wir im Dialog die individuellen Stärken der Azubis sicher erkennen. Damit sind wir in der Lage, die jeweiligen Arbeitsstellen innerhalb des Unternehmens mit jungen, motovierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukunftsorientiert zu besetzen. Die Abi-Ausbildung stellt für mich einen wertvollen Baustein der zukünftigen Personalgewinnung dar.

Reiner Eberhahn Serviceleiter IVECO Süd-West GmbH.

HLS I: Welchen Stellenwert hat für Sie, als Serviceleiter eines großen Nutzfahrzeugunternehmens, die berufliche Ausbildung „Mit dem Abi auf die Überholspur“?
Eberhahn: Für uns in der Nutzfahrzeugbranche ist es zukünftig sehr wichtig sein, dass wir im Sinne unserer Kunden geeigneten Auszubildenden das elektrische Denken in Systemen vermitteln. Die Elektrik sowie die Vernetzung unserer Nutzfahrzeuge haben einen hohen Standard erreicht und werden sicherlich erheblich zunehmen. Deshalb bilden wir Auszubildende mit Abitur oder Fachhochschulreife aus, um sie zukünftig mit der Diagnose und der Instandsetzung elektrischer Nutzfahrzeugsysteme zu beauftragen und an unser Unternehmen zu binden.
HLS I: Wie sehen Sie die zukünftige Stellung der beruflichen Bildung und den Einsatz der ausgebildeten Kfz-Mechatroniker?
Eberhahn: Die elektrischen Systeme in Nutzfahrzeugen werden zunehmen. Wir werden demnach unsere betriebliche Ausbildung im Segment der Elektrik verstärken. Die Summe der mechanischen Arbeiten in der Lkw-Werkstatt werden weniger werden. Unsere zukünftige Ausbildung von jungen Menschen bei IVECO Süd-West orientiert sich an Auszubildenden mit abstraktem Vorstellungvermögen für elektrische Systemtechniken. Da haben wir mit Abi-Schülern gute Erfahrungen gemacht.

Klaus Zeimer Schulleiter der Heinrich-Lanz Schule I.

HLS I: Wie sehen Sie als Schulleiter die Ausbildung „Mit dem Abi auf die Überholspur“ innerhalb der schulischen Bildungslandschaft?
Zeimer: Durch die innovative Abi-Ausbildung ermöglichen wir jungen Menschen mit Abitur, Fachhochschulreife oder Studienabbrechern eine hochwertige Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in den Ausbildungsschwerpunkten „Pkw-Technik“ oder „Nutzfahrzeugtechnik“ mit anschließender Meisterprüfung in 3,5 Jahren.
HLS I: Welches sind die zukünftigen Entwicklungsschritte bezüglich der Weiterentwicklung der Kfz-technischen Berufe innerhalb der gewerblichen Heinrich-Lanz Schule I bzw. der zukünftigen Carl-Benz Schule?
Zeimer: Die schulischen Investitionen der Kfz-Abteilung sehen wir in der gezielten Weiterentwicklung der Hochvoltsysteme und der alternativen Antriebe. Die Finanzmittel des Bundes zum Digitalpakt werden wir zielgenau in elektronische Technologien im Theorie- und Werkstattunterricht einsetzen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe unterstützt uns sehr bei notwendigen Neueinstellungen von Lehrkräften für unsere Schule.

Nicolas Deike R1ABI – Mercedes-Benz Ebert GmbH (Pkw-Technik)

HLS I: Warum haben Sie sich nach Ihrem Abitur für die Ausbildung „Mit dem Abi auf die Überholspur“ entschieden?
Deike: Ich wollte nach 13 Schuljahren eine praktische Ausbildung durchlaufen. Schnelle Autos haben mich schon immer interessiert. Für meinen weiteren beruflichen Werdegang sind die praktischen Reparatur- und Servicearbeiten sicherlich hilfreich.
HLS I: Welche Erfahrungen haben Sie im Rahmen Ihrer Berufsausbildung in Ihrem Betrieb gemacht?
Deike: Der tägliche Umgang mit teuren Kundenfahrzeugen und dem Umfeld in unserem Servicebetrieb waren für mich neu. Der technische Anspruch an das Fachwissen in der Werkstatt fordert mich schon. Es gibt jeden Tag etwas Neues zu lernen. Moderne Technik und schnelle Autos ist eine gute Kombination und für mich sehr faszinierend.

Cosmin Biriiac R2ABI – Iveco Süd-West (Nutzfahrzeugtechnik)

HLS I: Mit welchem Motiv haben Sie Ihre Abi-Ausbildung in einem Nutzfahrzeug-Unternehmen begonnen?
Biriiac: In schweren Nutzfahrzeugen sind sehr viele Elektroniksysteme sowie elektronisch-pneumatische Systeme verbaut. Ich möchte sehr viel in meiner Ausbildung lernen und die einzelnen Systeme verstehen. Dazu bietet mir mein Ausbildungsbetrieb alle Möglichkeiten. Schließlich möchte ich in meinem jetzigen Betrieb eine sehr gute Arbeitsleistung abliefern.
HLS I: Werden Sie nach Ihrer Berufsausbildung die Meisterprüfung im Kfz-Techniker-Handwerk ablegen?
Biriiac: Ja, ich möchte die Meisterprüfung auf alle Fälle ablegen. Den Teil IV der Meisterprüfung habe ich schon abgelegt. Nach meiner Ausbildung werde ich die drei restlichen Prüfungsteile absolvieren. Dazu werde ich den Abendunterricht an der Mannheimer Heinrich-Lanz Schule I besuchen. Da ich aus Rumänien komme, ist die fachliche Sprache in Deutschland für mich eine Herausforderung. Mein Ziel ist der Deutsche Meisterbrief und den schaffe ich.

Melanie Gaa R1ABI – Brenner GmbH (Pkw-Technik)

HLS I:Warum Durchlaufen Sie als Frau eine Berufsausbildung zur Kfz-Mechatronikerin?
Gaa: Schon sehr früh spielte in meinem Leben das Auto eine große Rolle. Der ständige Wunsch an verschiedenen Autos zu schrauben brachte mich zur Ausbildung „Mit dem Abi auf die Überholspur“. Diese verkürzte Kfz-Ausbildung konnte ich auf Grund meines Abiturs bei der Firma Brenner GmbH beginnen. Direkt nach der Berufsausbildung werde ich für ein Jahr an der Heinrich-Lanz Schule I die Meisterschule besuchen.
HLS I:Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Gaa: Ich möchte auf alle Fälle im Kfz-Handwerk bleiben und meine Fertigkeiten und Kenntnisse in meinem Betrieb und damit im Sinne der Kunden praktisch anwenden.

Erfolgreicher Absolvent Marc Remle

HLS I: Wie beurteilen Sie nach Ihrer Ausbildung die Ausbildungskonzeption „Mit dem Abi auf die Überholspur“?
Remle: Nach dem Abitur hatte ich eine Berufsausbildung begonnen, die mir nicht zusagte. Mit der Abi-Ausbildung bin ich rundum zufrieden. Die duale Ausbildung bei BMW und der Berufsschule, sowie die Meisterschule an der Heinrich-Lanz Schule I haben mich entscheidend weiter gebracht. Ich würde diesen Ausbildungsweg jederzeit wieder gehen. Auf Grund meiner sehr guten Erfahrungen innerhalb der Abi-Ausbildung gebe ich meine Erkenntnisse gerne im Bekanntenkreis weiter.
HLS I: Wo setzen Sie Ihre erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse im Berufsleben ein?
Remle: Ich arbeite als Kfz-Meister in einem Pfälzer Unternehmen für Landmaschinen. Dort bin ich verantwortlich für die Elektrik und Elektronik in Traktoren und Traubenvollernter. Schließlich sind die landwirtschaftlichen Maschinen mit elektronisch-hydraulischen Systemen sowie mit GPS ausgestattet.

Harald Gross Geschäftsführer der Innung des Kfz-Gewerbes RNO

HLS I: Wie sind die Prüfungsleistungen der Abi-Schüler im Teil 1 und im Teil 2 der gestreckten Gesellenprüfung?
Gross: Die praktischen und schriftlichen Prüfungsleistungen in den Teilen 1 und 2 der gestreckten Gesellenprüfung liegen meistens im oberen Drittel der Notenskala. Selten legen die Abi-Prüflinge schwächere Prüfungsergebnisse ab.
HLS I: Wie sind die aktuellen Prüfungsleistungen 2019 der Auszubildenden mit Abitur?
Gross: Im aktuellen Prüfungsjahr 2019 haben 150 Auszubildende den Teil 2 der gestreckten Gesellenprüfung abgelegt. Der Jahrgangsbeste 2019 sowie der Drittbeste ist je ein Schüler mit Abitur.

Otmar Drackert

Bildtext: Melanie Gaa (Brenner GmbH) und Nicolas Deike (Mercedes-Benz Ebert GmbH) während des fachpraktischen Unterrichts in den Werkstätten der Heinrich-Lanz Schule I Mannheim.

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